Wild – Jagd – Landwirtschaft in Rissen und Sülldorf

Informative Exkursion zum Hof Glissmann

(bvr) Die Herbst-Radeltour des Rissener Bürgervereins am 19. Oktober hatte den Hof Glissmann in Sülldorf zum Ziel. Passend zur Jahreszeit ging es diesmal hauptsächlich um das Wild und die Jagd in der Rissen-Sülldorfer Feldmark. Hofinhaber Jens Glissmann ist zugleich Jagdpächter und Wild-Experte in diesem Revier. Silke Ladiges, zertifizierte Natur-und Landschaftsführerin, organisiert und führt die Exkursionen der Rissener. Mit dem engagierten Landwirt und Jäger Glissmann hatte sie ein informatives und besonders spannendes Programm vorbereitet.

“Ich habe schon lange nicht mehr so viel Neues über die Landwirtschaft und die Tiere hier – gewissermaßen vor unserer Haustür – erfahren wie heute, bei dieser Tour”, meint Anke Dühring, die in Rissen lebt und aufgewachsen ist. “Beeindruckt bin ich vor allem von dem Vortrag und den Bildern, die Jens Glissmann uns über die Pflege und Hege der Wildtiere gezeigt hat. Ich hätte nie gedacht, dass Landwirte sich so viel Mühe mit der Nahrung für die Tiere geben und sich um die Sicherheit der Jungtiere kümmern.” Glissmann hatte Fotos aus dem Frühjahr gezeigt, als es darum ging, Rehkitze, Junghasen und Fasanenküken vor den Messern der Mähmaschinen zu schützen.

Bevor die Radelgruppe aus Rissen auf dem Hof Glissmann in Sülldorf zum Vortrag und zur Diskussion bei Kaffee und Kuchen einlief, fuhr sie mit Jens Glissmann und Silke Ladiges in einem großen Bogen die Blühstreifen und Wildackerzonen in der Feldmark ab. “Dieser Blühstreifen ist unsere Hasen-Apotheke”, erläuterte Jens Glissmann. “Hier finden die Tiere wertvolle Pflanzen und Kräuter, die sie für eine gesunde Ernährung brauchen.” In den Wildackerzonen wachsen wilde Blumen und Gemüsepflanzen, deren Knospen und Früchte auf dem Speiseplan von Rehen und Hasen ganz obenan stehen. Ebenso wie das Streuobst von Bäumen, die an den Rändern der Äcker und in den Knicks wachsen. In den letzten Jahren haben die Landwirte hier speziell wildtier- und insektenfreundliche Bäume, Sträucher und Wildpflanzen neu ausgepflanzt und gesät.

Viele Fragen wurden anschließend gestellt, und Jens Glissmann sorgte bei der sehr interessierten Radlergruppe für eine Menge Aufklärung und neue Kenntnisse. So gab er einen Überblick über die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, die in dieser Region gedeihen – und darüber, welchen Bedrohungen sie ausgesetzt sind. “Wir brauchen den Fuchs, weil er die Äcker von Schädlingen befreit, aber der Fuchs wird zunehmend verdrängt vom Marderhund, der in Nordasien zur Fellproduktion gehalten wird, in Europa ausgesetzt wurde und sich rasant verbreitet hat.”

Probleme bereiteten die Wildschweine, die sich reichlich vermehren und keine natürlichen Feinde haben. Glissmann zeigte Fotos von frisch angelegten Äckern und Gärten, die von Wildschweinrotten in einer einzigen Nacht völlig verwüstet wurden. “Wildschweine sind dermaßen schlau, dass wir nur selten zum Abschuss kommen”, sagt Glissmann. “Je näher sie an die bewohnten Gebiete rücken, desto schwieriger wird es für uns zu schießen.” Im vergangenen Jahr seien nur drei bis fünf von ihnen erlegt worden.

Für Ärger sorgten allerdings auch uneinsichtige Stadtbewohner, die ihre Hunde in der Feldmark frei laufen und wildern ließen. In jedem Frühsommer würden Rehkitze, Junghasen und –fasane von wildernden Hunden gerissen oder schwer verletzt. “Uns Jägern bleibt dann nur die traurige Aufgabe, die Opfer von ihrem Leiden zu erlösen.” Jens Glissmann machte deutlich, dass der Auftrag an einen Jäger vor allem in der Beobachtung und Hege des Wildbestandes liegt. “Wir sind stolz auf unsere wunderbaren Tiere und freuen uns über sie – und das direkt am Rande der Großstadt Hamburg. Jagdwütige Hobby-Schützen haben und brauchen wir hier nicht”, betont er.

Die Radelgruppe bedankte sich für den interessanten Ausflug und die vielen Informationen. “Im nächsten Jahr steuern wir weitere Ziele in der Umgebung von Rissen an”, sagt Silke Ladiges. “Es gibt noch so vieles hier zu entdecken und neu kennenzulernen.”

Kontakt und Information: Bürgerverein Rissen e.V. E-Mail: info@buergerverein-rissen.de oder Telefon: (040) 81 12 56.

Anlage: Fotos (bvr)