Dorfgespräch: Gemeinsam für Rissen

„Mobilitätskonzepte im Hamburger Westen“

vom 27. Januar 2020

Wir freuen uns, dass unser Dorfgespräch zu den Mobilitätsthemen im Hamburger Westen großes Interesse weckte und mehr als 250 Gäste der Podiumsdiskussion mit Politik, dem HVV sowie der Stadt Wedel folgten. Die Debatte ergab, vier Hauptforderungen, die von allen Podiumsmitgliedern befürwortet wurden:

  • Ausweitung des Zehn-Minuten-S-Bahn-Taktes,
  • Zuverlässigkeit der S-Bahn fördern,
  • Überprüfung des Angebots des Rissener Quartiersbusses,
  • Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur

Der Bürgerverein wird diese Forderungen weiterverfolgen, mit den Rissener Bürgern diskutieren und in einem Jahr im Rahmen einer weiteren Podiumsdiskussion nachkontrollieren. Wir werden aber auch all die Zuschriften und Notizen, die wir erhielten, auswerten, zusammenfassen und der Politik zur Beantwortung vorgelegen. Das Dorfgespräch vom 27. Januar 2020 ist daher nur ein Auftakt zu einer dauerhaften öffentlichen und nachhaltigen Debatte zum Thema Mobilität im Hamburger Westen, die auch gesondert zu einzelnen Themenkomplexen fortgeführt wird.

Der Bürgerverein begrüßt, dass weitgehende Einigkeit darin besteht, eine Entlastung des Straßenverkehrs nur durch eine Steigerung des Angebotes des Öffentlichen Personennahverkehrs herbeiführen zu können.

Außer dieser Schwerpunktsetzung auf den ÖPNV lieferte allerdings niemand ein Konzept, wie das bewerkstelligt werden könne. Daher erstreckte sich die Diskussion auf bereits seit langem erörterte Einzelmaßnahmen, deren Umsetzung allerdings bis heute auf sich warten lässt, wie zum Beispiel eine weitere Ausweitung des Zehn-Minuten-Taktes der S-Bahn-Strecke zwischen Blankenese und Wedel oder deren zweigleisiger Ausbau. Die Politik formulierte zu beiden Punkten erfreulicherweise ungewöhnlich deutlich, diese „dicken Bretter“ weiterzuverfolgen. Dem werden wir nachgehen.

Viele Radfahrer fühlten sich angesichts schlechter Radwege und zunehmender Enge im Straßenverkehr benachteiligt und forderten eine schlüssige Radwegekonzeption, bei der viele Gesichtspunkte, wie zum Beispiel auch hinreichend sichere Fahrradabstellplätze gehören. Bemerkenswert fanden wir daher auch, dass ein nüchterner Umgang bei der Planung des Straßenverkehrsraumes vertreten wurde: Weg von der Idee, allen in jedem Verkehrsraum gleichermaßen Raum einzuräumen und hin zu einer einzelfallbezogenen Bestimmung der Straßen als vorrangig dem Kfz-Verkehr dienend oder vorrangig dem Fahrradverkehr dienend bzw. zur Nutzung durch Fußgänger zur Verfügung stehend.

Ferner gab es bereits im Vorwege viel Zuspruch für die Rissener Quartiersbuslinie. So erhielten wir von einer Seniorin eine Zuschrift voll Dankbarkeit, in der sie erklärte, nach Einführung des Busses sich entschlossen zu haben, ihr Auto zu verkaufen, weil sie nun den Ortskern mit dem ÖPNV erreichen könne. Wir sehen uns dadurch darin bestätigt, mit dem Bus einen guten Schritt der Stärkung der sozialen Teilhabe bewerkstelligt zu haben.

Es erreichte uns allerdings auch Kritik. So wurde bemängelt, dass der Bus immer noch nicht am Sonnabendnachmittag und am Sonntag fährt. Außerdem wurde ein 20-Minuten-Takt für die Dorfkutsche gefordert. Darüber hinaus stören sich Anwohner der Busstrecke an den besonders frühen und späten Fahrten des Busses, offenkundig weil die bisher leider immer noch eingesetzten älteren „MIDI-Busse“ sehr laut sind und mit älteren Dieselmotoren betrieben werden. Diese Busse sind auch aus unserer Sicht ein Ärgernis, weil sie so gar nicht in das von uns verfochtene Bild der Nachhaltigkeit passen. Daher können wir verstehen, dass man sich fragt, welchen Sinn es mache, wenn diese Busse in den Randzeiten öfter einmal leer fahren.

Daher begrüßen wir die Anschaffung neuerer, kleinerer Busse, die deutlich leiser sind und mit Dieselmotoren betrieben werden, die der neuesten Dieselnorm entsprechen. Allerdings ergaben sich dieser Tage technische Probleme im Zusammenhang mit einer Buskehre, die dazu führten, dass bauliche Änderungen vorgenommen werden müssen, bis die neuen Busse wieder stetiger in Rissen eingesetzt werden können. Nach unseren Kenntnissen schob die Bauabteilung des Bezirkes Altona die Baumaßnahmen bereits an.

Aus unserer Sicht ergibt sich ein grundsätzliches Problem des eigentlich von allen politischen Vertretern der Debatte propagierten Paradigmenwechsels beim ÖPNV: Wer beabsichtigt, dem Bedarf voranschreitend ein breites Angebot an öffentlichen Beförderungsmitteln zu unterbreiten und nicht nur einer Beförderungsnot hinterher wirtschaften will, der muss dafür sorgen, dass das Angebot besonders attraktiv ist und Belastungen von Mensch und Umwelt möglichst gering gehalten werden.

So eine Verkehrswende ist auch im äußersten Hamburger Westen bitter nötig, wie sich an der nun seit vielen Jahren auf nahezu gleichbleibend höchstem Niveau belasteten B 431 zeigt. Hier ist aus unserer Sicht mittelfristig damit zu rechnen, dass das Fassungsvermögen der Straße ausgeschöpft ist. Auf die Nerven der Anwohner trifft das schon lange zu. Der Bürgerverein Rissen nimmt es daher mit Fassungslosigkeit zur Kenntnis, dass die Bezirkspolitik, mit ihrem für die Anwohner der betreffenden Straßen jeweils sicher sehr verständlichen Bestreben der Einführung von 30-Zonen, offenkundig eine Politik der Fokussierung des Verkehrs auf die B 431 verfolgt. Das ist nicht hinnehmbar.